Yoga-Tag im Kindergarten

Aktualisiert: 27. Mai 2019


Seit fast einem Jahr arbeite ich jetzt schon als Kindergartenlehrperson in einem Kindergarten in Riehen bei Basel. Und genauso lange führe ich einmal in der Woche, immer am Freitag, einen "Yoga-Tag" in meiner Klasse durch.

Darüber, dass bei mir regelmässig Yoga in den Unterricht einfliesst, wurden die Eltern bereits am ersten Elternabend informiert. Ich habe sie über die Vorteile regelmässiger Yogapraxis für Kinder aufgeklärt und ihnen bei Interesse auch meine Bachelorarbeit zum Thema "Mit Yoga zum Lernerfolg" zur Verfügung gestellt. Nur eine Mutter kam danach auf mich zu und wollte noch mehr über die Umsetzung erfahren. Wie sich herausstellte, war sie etwas besorgt, dass der Yogaunterricht zu "spirituell" oder gar religiös angehaucht sein könnte. Ich konnte sie diesbezüglich aber beruhigen und klarstellen, dass es bei meinem Yogaunterricht lediglich um die körperlichen Übungen (Asanas) und um die geistige Achtsamkeit gehe.


Wie sieht so ein Yoga-Tag im Kindergarten nun aber konkret aus?


Wir starten jeweils mit der ganz normalen Einlaufzeit von 8:00 bis 8:30, in der die Kinder nacheinander eintröpfeln und Zeit haben, im Kindergarten anzukommen. In dieser Zeit erledigen sie individuelle Aufgaben (Puzzles, SmartGames, Arbeitsblätter, etc.), welche ich ihnen zuteile. Sie arbeiten daran zwischen 30 Minuten und einer Stunde, je nachdem wann sie im Kindergarten eingetroffen sind.

Gegen 9:00 spiele ich dann einen Dreiklang mit den Klangstäben. Die Kinder wissen, dass sie nun ihre Aufgabe versorgen und in den Kreis (bestehend aus Yogamatten) kommen müssen. Dort liegen bereits Yoga-Ausmalbilder für sie bereit, welche sie ruhig auf ihrer Matte sitzend oder liegend ausmalen, bis alle Kinder im Kreis angekommen sind.


Spätestens um 9:15 sitze ich auch auf meiner Yogamatte und lasse zwei kleine Tschninellen erklingen. Die Kinder versorgen nun ihre Ausmalbilder unter ihrer Yogamatte und setzen sich ruhig im Schneider- oder Fersensitz auf ihre Matte und schauen zu mir. Los geht es dann mit einem Yoga-Monatsvers, welcher - wie der Name schon sagt - monatlich wechselt. Es ist ein Vers, welcher der jeweiligen Monat beschreibt. Dazu machen wir die passenden Yogaübungen (Sonne, Blume, Biene, Baum, etc.). Die Verse stammen aus dem Buch "Mit Yoga durch das Grundschuljahr" von Petra Prossowsky.


Im Anschluss gibt es eine kleine Gesprächsrunde, in der die Kinder ihren aktuellen Gefühlszustand auf einer selbstgebastelten Gefühlsuhr einstellen können, und dann ihren Mitschülerinnen und Mitschülerinnen etwas dazu erzählen dürfen. Der Mitteilungsbedarf bei den Kindern ist meist recht gross und ich lasse jedes Kind einmal zu Wort kommen. Die anderen Kinder müssen dann jeweils ganz still sein und dem erzählenden Kind aufmerksam zuhören. Das war zu Beginn des Jahres nicht ganz einfach und braucht sehr viel Übung. Sie müssen lernen, ihre eigenen Bedürfnisse für einen Moment zurückzuhalten und sich erst mitzuteilen, wenn sie an der Reihe sind.


Danach, um ca. 9:30, gibt es eine "Komplimenterunde" für unser Kind der Woche (KdW). Wer dem KdW ein Kompliment (dieser Begriff wurde natürlich über eine gewisse Zeit eingeführt und immer wieder geübt) machen will, darf ausstrecken. Das KdW verteilt dann drei Steine an Kinder, die dann zum KdW gehen, ihm den Stein zurück geben und dabei ein Kompliment machen. Danach darf das KdW aus einer Schatzkiste mit Namensvettern noch das neue KdW für die nächste Woche ziehen.

In der Zwischenzeit lege ich in der Mitte des Kreises den Namen des KdW mit den Yoga ABC Karten aus. Wir führen dann die Übungen auf den Karten gemeinsam ineinander fliessend aus. Das ist unser KdW-Flow. Das KdW geniesst, dass es im Mittelpunkt steht, und lernt ganz nebenbei die einzelnen Buchstaben seines Namens kennen und verbindet sie mit Bewegungen, was zu einer besseren Verankerung im Gehirn führt.


Gegen 9:45 folgt dann eine kleine Atem- und/oder Achtsamkeitsübung. Die Kinder konnten im KdW-Flow ihre Energie freilassen und sind nun bereit, wieder ganz bei sich zu sein und ruhiger zu werden.


Kurz vor der Pause machen wir dann meist noch ein paar fliessende Übungen zu einem Yoga-Lied von der CD "Kinderyoga mit Kinderliedern", von denen einige auch auf YouTube zu finden sind. Auf der CD findet sich zu jedem beliebigen Kindergarten-Thema ein passendes Lied, und die Kinder singen inzwischen sogar oft mit.


Um 10:00 schicke ich die Kinder dann in die Pause, gefolgt von einem gemeinsamen Z'Nüni und Freispiel. Gegen 11:15 lasse ich erneut den Dreiklang auf den Klangstäben erklingen. Die Kinder räumen nun ihre Spielorte auf und kommen wieder in den Yogamatten-Kreis, wo sie an ihrem Yoga-Ausmalbild weitermalen oder sich mit einem Kreisspiel aus einer Kiste beschäftigen dürfen, bis alle Kinder aufgeräumt haben und im Kreis angekommen sind.


Um 11:30 beginnt dann der Entspannungsteil des Yoga-Tages. Das kann eine Fantasiereise sein, eine Partnermassage zu einer Geschichte, Malen im Zeichnungsheft zu klassischer Musik, gemeinsam ein grosses Mandala in der Kreismitte gestalten, oder auch einfach individuell Bücher anschauen. Ich merke dabei oft, wie sehr die Kinder nach dem oft lärmigen Freispiel die Ruhe schätzen und sich richtig darauf einlassen können. Ich habe dann immer das Gefühl, sie geerdet und zentriert ins Wochenende schicken zu können, was den Eltern sicher nicht ganz unrecht ist.


Gegen 11:50 gehen wir uns dann umziehen in der Garderobe, singen dort unser Abschiedslied und schliessen die Kindergartenwoche mit einem freudigen "Hoch die Hände - Wochenende!" ab.


Dies ist natürlich nur ein Beispiel, wie ich den wöchentlichen Yoga-Tag im Kindergarten aktuell gestalte. Der Inhalt und Ablauf verändert sich im Laufe des Jahres, zB wenn alle Kinder einmal Kind der Woche waren. Weitere Ideen, wie man Yoga spielerisch im Unterricht einbauen kann, habe ich hier aufgeführt.



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